Olympus 35 RC

Es muss nicht immer Leica sein...

Dies lass ich im Web und merkte, wie meinen Kopf leicht nach vorne und wieder zurück wippte. Wir haben das Jahr 2016 und "analog" ist wieder im Kommen. Ich hatte früher sehr viel mit Leica M fotografiert und mich immer wieder geärgert, wie empfindlich diese Kameras doch sind. Mir brach eine Gurthalterung an einer M6, die ich Gott sei Dank noch fangen konnte. Sie verträgt keine Sonne, deshalb muss immer ein Objektivdeckel auf das Objektiv, damit der Tuchverschluss nicht abbrennt (was wohl auch auf andere Tuchverschluss Kameras trifft). Und dieses dämliche Filmeinlegen. Nun ja, ich konnte es nachher im Schlaf. Dämlich war das Filmeinlegen trotzdem und auf 3500 Meter im Schneegestöber ist es heute noch genau so bescheiden wie damals. Weiter Nachteile waren, das Gewicht, die Größe und ... teuer. Ständig war man nervös und hütete sie wie den Augapfel. Musste das alles sein?

Heute sage ich: "nein".

Es gibt so viele wahnsinnig gute analoge Rangefinder- bzw. Messsucher-Kameras, mit sehr guten Objektiven zu einem sehr günstigen Preis. Neben vielen anderen, die ich fotografiert habe, gibt es eine ganz kleine - Olympus 35 RC.


Olympus 35 RC

Nicht zu verwechseln mit der Olympus 35 RD oder der Olympus SP. Diese sind alle größer. Die RC ist die kleinste im Bunde. Sie erblickte das Licht der Welt so um 1970 in Japan.

Hier im Vergleich mit einer Yashica Electro 35 GS (die in etwa die Größe einer Leica M6)

Nicht nur wegen der sympathischen Größe, die wirklich in jede Jackentasche passt, glänzt sie zudem mit einem wirklich sehr scharfen und fest verbauten 2,8/42mm Objektiv. Die kürzeste Verschlusszeit beträgt 1/500 Sekunde und die längste 1/15 bis Bulb für Langzeitbelichtung. Die einstellbare Blende reicht von 2.8 bis Blende 22. Die Kamera kann im Automatikmodus als Blendenautomat mit Zeit Vorgabe, oder manuell betrieben werden. Sie Besitz einen Blitzschuh und eine Standard Syncronbuchse (PC-Sync).

An der Front gibt es einen Selbstauslösehebel und zwei Sucherfenster. Ein kleines Fenster ist für den Mischbild-Entfernungsmesser und das andere ist das Sucherfenster.

Eine Besonderheit befindet sich am Objektiv. Die Kamera hat einen Blitzmodus, der am Blendenring eingestellt werden kann. Zusätzlich lässt sich dann auch noch die Leitzahl des Blitzes der verwendet wird am Objektiv einstellen. Somit bildet diese Kombination eine "quasi" Blitzautomatik.

Die Filmempfindlichkeit wird direkt vorne am Objektiv eingestellt und geht von 25 ASA bis 800 ASA.

Betrieben wird die Kamera mit einer nicht mehr erhältlichen PX625 Quecksilber Batterie. Es gibt allerdings Möglichkeiten die Kamera umzubauen auf normal erhältliche Batterien.

Auf der Rückseite befindet sich der Spannhebel für den Verschluss und den Filmtransport. Dieser ist auf der Rückseite angeordnet, was leider eine Stauböffnung ins Innere der Kamera eröffnet. Wahrscheinlich ist diese Konstruktion der Größe geschuldet.

Der Film kann ganz einfach durch eine aufklappende Rückwand eingelegt werden und dies ist wirklich wesentlich einfacher als bei den Leica M Modellen.

Der Sucher

Der Sucher, der auch sehr gut für Brillenträger wie mich geeignet ist, zeigt in der Mitte das Mischbildfenster (was hier leicht gelblich zu sehen ist). Wenn die Kamera gut überarbeitet wurde, ist der Kontrast des Mischbildes gut erkennbar und man kann leicht die Schärfe einstellen. Zusätzlich wird die Belichtungszeit (oben) und die gewählte, oder die gemessene Blende (unten) angezeigt. Mehr als Luxus für so eine kleine Kamera.

Doch was kann diese Kamera

Viel wichtiger als der ganze technische Kram ist die Bild-Leistung und die wird oft bei der Linse entschieden. Ist die Abbildungsqualität des Objektivs gut, ist die Kamera nur noch ein Hilfsmittel zum Bedienen.

Natürlich könnte man jetzt darüber diskutieren, ob eine 1/500 Sek. ausreicht oder ob man nicht doch die 1/8000 Sek. unbedingt braucht. Ob die Lichtstärke von 1:2,8 ausreicht oder nicht. Alles Dinge die man sich leicht selbst beantworten kann:

  • Wie oft habe ich Bilder (gute Bilder) mit 1/8000 gemacht?
  • Wie viele Bilder habe ich mit einer offenen Blende kleiner als 1:2,8 gemacht und warum?

Meist kommt das Argument, das man Lichtstärke Objektive braucht um besser freistellen zu können. Das stimmt. Doch macht man es auch, oder hat man die Automatik eingeschaltet und weiß es gar nicht. Eine Hilfe wäre einen Blick in der Schärfentiefe Rechner (gibt es als App), oder man schaut einfach auf das nächste Bild und sieht: die Blende 2,8 bei Sagen wir "Potraitabstand" bei Brennweite 42mm bringt ausreichen Unschärfen zum freistellen.

Olympus 35 RC bei Blende 2,8

Die Frage ist immer: Was mache ich mit der Kamera?

Oder für Einsteiger: Was kann ich mit der Kamera machen?

Meine Antwort ist: mit etwas Gespür und etwas Wissen - hervorragende analoge Bilder. Sie ist klein, und wenn sie gut restauriert ist, wartungsarm und zuverlässig. Die Batterie reicht für einige Monate und so bleibt der Kopf frei für die Fotografie. Kein Gedanke an voll geladene Akkus, oder ausreichend Speicherplatz auf der Speicherkarte. Es reicht eine Kamera und einen Reserve Film in der Tasche.


Nicht mehr fremdgesteuert

Eine schöne Besonderheit einer Analog-Kamera in dieser Größe, ist die Möglichkeit diese Kamera komplett manuell zu betreiben. Sicherlich, die Automatik Einstellung (A) auf dem Blendenring ist bequem und zuverlässig. Doch wer ganz ohne Automaten arbeiten will, kann neben der Belichtungszeit am Zeitenrad auch die Blende am Blendenring manuell auswählen und somit selber bestimmen, wie etwas belichtet werden soll. Hinzu kommt noch, dass durch diesen Umstand auch mit einem Automatik-Aufsteckblitzgerät oder einer Stuidoblitzanlage perfekt gearbeitet werden kann.

Blitzen mit der 35RC

Noch eine Besonderheit der RC ist das Blitzen zu allen Verschlusszeiten. Das funktioniert weil die 35RC einen Zentralverschluss hat und sie dadurch bei allen Verschlusszeiten den Blitzsynchronisieren kann. Das bedeutet das man auch draussen bei stärkerem Licht einen Blitzanlage oder eine Aufsteckbiltz auch bei schnellen Verschlusszeiten fotografieren kann.
Hierzu benutze ich einen meist einen sehr kompakten "Metz 34CS-2 digital" Automtik-Blitz. Dieser ist klein und sehr Leistungsstark.


Schnelles fokussieren - manuell

Diese Kamera kann in Naheinstellung bis 0,85m fokussieren. Der Weg von 0,85m bis auf unendlich bedarf weniger als eine 1/4 Drehung am Objektiv. Das ist verdammt kurz und verdammt schnell zum Scharfstellen. Gerade in der Streetfotografie ist nicht nur das leise Auslösegeräusch von Vorteil, sondern auch der sehr kurze Weg der Fokussierung.

Bei sonnigen Tagen und ein wenig Übung reichen 3 Stellungen am Objektiv für die Streetfotografie vollkommen aus: Nah (ganz nach rechts), 3m (fast Mittelstellung), unendlich (ganz nach rechts).  Der Rest wird durch die gewählte Blende, bzw. der daraus resultierenden Schärfentiefe erledigt. Schneller geht nicht. Kein Autofokussystem wird so schnell je werden. Einen kleinen Nachteil gibt es allerdings: Die Focusierung des Objektiv ist bauartbedingt ziemlich leichtgängig, so das eine Kontrolle der eingestellten Entfernung häufiger kontrolliert werden sollte.