Schwarz-Weiß-Film selber entwickeln

In den folgenden Kapitel möchte ich einen kleinen Leitfaden geben, wie man einen Analogen Schwarz-weiß Film kinderleicht in der Küche oder im Badezimmer entwickeln kann. Das Verfahren ist einfach und jahrzehntelang erprobt. Also nur Mut.

Was brauche ich

Chemie

Welche Chemie brauche ich zum selbstentwickeln :

  • Filmentwickler 
  •  Stopbad 
  •  Fixierbad 
  •  Wasser 
  •  Netzmittel 

 Ich benutze Finol als Filmentwickler. Dieser kommt von Moersch Chemie Hürth in zwei getrennten Lösungen. Jeweils Finol A und Finol B in 100 ml Flüssigkonzentrat. Dazu erhält man eine Anleitung mit wertvollen Tips. Als Stopbad benutze ich ganz einfach Leitungswasser. Als Fixierer nehme ich den basischen ATS-Fixierer von Moersch. 

 Es gibt natürlich auch ganz viele andere Herstellen wie Ilford, Kodak, Tetenal u.s.w. , aber schon vor Jahren bin ich bei dieser Moersch Chemie Kombination geblieben. Dafür gibt einige Gründe, die ich später noch erläutern werde. Doch jetzt zuerst einen kurzen Überblick des eigentlichen Vorgangs.

Werkzeug

Was brauche ich an Werkzeugen : 

  • 3–4 Messbecher a 500 ml * 
  • 1 Entwicklerdose mit Spiral-Einsatz (als Beispiel: Jobo 1520  Unitank für Kleinbildfilm und Mittelformatfilm) 
  • 1 Wechselsack 
  • 1 Thermometer

(BILD Labor)

Dies und das

  • Schere 
  • Filmklammern 
  • Behälter aus Keramik oder Glas (z.B. Ein einfaches Einmachglas) Netzmittel wie Tetenal Mirasol sollten nicht mit den Kunststoffen der Entwicklungsdose oder den Messbechern verwendet werden, da sie die Weichmacher in den kunstoffen lösen und den Entwicklungs- und Fixierprozess behindern).

Das Verfahren

Die Schwarz-Weiß Filmentwicklung ist einer der einfachsten Filmentwicklungen. Es ist möglich an der Küchenspüle oder im Badezimmer mit wenig Aufwand einen Schwarz-Weiß Film selber zu entwickeln und das relativ schnell und sicher. Die Chemikalien sind einfach anzuwenden und zumindest diese die ich benutze, relativ geruchlos.

Anwendung

In einem Wechselsack spult man den Film in eine Spirale und steckt diese in eine lichtdichte Dose und verschließt sie. 
Ab hier kann alles bei normalem Tageslicht weiter verarbeitet werden. 
Nun füllt man die Entwickler Flüssigkeit in die Dose und dreht diese Vorgabe ab und zu mal um. Ist die vorgegebene Entwicklungszeit (unterschiedlich je nach verwendetem Film, Empfindlichkeit, und Entwickler) erreicht, gießt man die Flüssigkeit aus und füllt das Stoppbad ein. Nach kurzer Zeit gießt man auch diese wieder aus und füllt die Fixierflüssigkeit ein. Nach Ablauf der Fixier-Zeit entfernt man die Fixierflüssigkeit wieder aus der Dose. Kommt nur noch das Wässern. Dazu lässt man Wasser in die Dose laufen oder füllt und entleert die Dose mehrmals. Anschließend nimmt man den Film aus der Dose und aus der Spirale und hängt ihn zum trocken auf. Filmklammern oben und unten - Fertig.

Das war zu schnell? Hier geht es gleich im Detail noch einmal genauer.


ok, war zu schnell, hier im Detail...

Nach dem Rückspulen des Films 

Hier gibt es einige Unterschiede: Im Mittelformat wickelt man beim Belichten automatisch den Film auf eine neue Spule. Dies bedeutet, dass beim Mittelformatfilm das Rückspulen des Films entfällt. Bei Kleinbildfilm muss wieder in die Patrone zurückgespult werden. Im Kleinformat gibt es folgenden 3 Möglichkeiten: 

 Automatisches Zurückspulen mit Einzug 

Bei den meisten moderenen Kameras wird der Film am Ende automatisch zurückgespult, der Film verschwindet in der Patrone. Grundsätzlich eine feine Sache aber für die jenigen die gerne selber entwickeln wollen, macht es mehr Arbeit. Sie müssen den Filmanfang aus der Patrone ziehen, um ihn in die Spule der Entwicklerdose einzuziehen. Von Ilford gab es hierzu ein Tool, mit dem man sehr einfach den Filmanfang wieder aus der Patrone ziehen kann. Dies gab es auch von anderen Firmen. Wer sie heute noch herstellt, muss man aktuell recherchieren. 

  

Auf der Rückseite befindet sich eine kleine Anleitung wie man den Filmzieher benutzt: 


Automatisches Zurückspulen ohne Einzug 

Bei einigen Kameras könnte man das Einziehen der Filme am Ende der Rückspulung durch einen Menüpunkt abstellen. Einige Kameras wie z.B. Die Contax TVS 2 machten es grundsätzlich nicht. Da hatte Contax damals schon an ambitionierte Fotografen gedacht, Leica und viele andere nicht.

Manuelles zurück spulen 

Bei alten Kleinbild Kameras, wird meist mit einer Kurbel der Film am ende per Hand zurück gespult. Da hat man die Chance und quasi selber in der Hand, den Film nicht in der Filmpatrone verschwinden zu lassen.


Einlegen des Films in die Entwicklerdose

Die Filmentwicklungsdose besteht aus einem Deckel und aus einem abnehmbaren Oberteil. Öffnet man die Dose findet im Inneren eine Kunstoff-Spirale, die sich in zwei Teile aufteilen lässt. Diese Funktion dient zu einstellen des Filmformats(Filmbreite). Außerdem hilft es nach dem Entwicklungsvorgang den Film zu entnehmen. 
Doch zuerst muss man den Film in die Spirale wickeln. Dazu braucht man einen »Wechselsack«. Dieser ist Licht dicht und besitzt zwei Öffnungen, durch die man seine Hände steckt. Zuerst sollte man überprüfen, ob man Film Dose mit Spirale und Deckel in den Sack gelegt hat. Gerne lege ich auch eine Schere mit in den Sack, um eventuell ein wiederspestiges Filmende abzuschneiden. Der Rollfilm ist am Ende mit der Spule und der Schutzfolien verklebt. Es lässt sich zwar meist abreißen, doch schneide ich gerne das Ende sauber ab, damit es nachher nicht die Entwicklungsbäder verunreinigt. Da sich dies alles in dem lichtdichten Wechselsack abspielt, ist behutsames Vorgehen ratsam. 
Am Ende hilft nur Übung, denn nicht immer will der Film in die Spule hinein. Manchmal verhackt er sich und man muss ihn wieder aus der Spule raus holen und von vorne anfangen. Ich beschreibe hier den Vorgang beim Mittelformat-Film. Bei Kleinbildfilmen ist der Vorgang ähnlich, wenn auch ein wenig kniffliger da der einzuspulende Film schmäler und länger ist. 
Dafür hat er gegenüber dem Mittelformatfilm, eine höhere Stabilität und ist, gerade für Anfänger, eine gute Übung. Hat man diese Hürde geschafft, geht es außerhalb des Wechselsacks bei Tageslicht weiter.
So sollte es dann im Wechselsack aussehen. Der Film ist vollständig in der Spirale eingezogen. Jetzt ab in die Dose, Deckel gut verschliessen und man kann den Wechselsack verlassen und weiter bei Tageslicht arbeiten.


Entwicklungsvorgang

Zuerst setzt man die Flüssigkeiten an. Der Entwickler z.B. Finol wird nach Vorgaben des Beipackzettels angesetzt. Ich benutze ihn als einmal Entwickler. Dazu kommen auf 460 ml destillierten Wasser, 5 ml der Finol Lösung A und 5 ml Finol Lösung B. Dies ergibt eine Gesamtmenge von 470 ml die für meine Entwicklerdose Füllmenge für die Kippentwicklung vorgegeben sind.
Es gibt unterschiedliche Größen bei den Entwicklerdosen. Auch Dosen zu Aufnahme von mehreren Filmen. Auf den Dosen steht dann, welche Menge für welche Entwicklung eingefüllt werden muss. 
Die Temperatur der Entwicklerflüssigkeit und der Entwicklerdose sollte vor dem Eingießen 20 Grad haben. (Je nach Temperatur erhöht oder verkürzt sich die Entwicklungszeit. Diese Angaben stehen immer bei dem Entwickler dabei.) 

Um Zeit zu sparen, setze ich auch gleich in einem anderen Messbecher die Fixierflüssigkeit an. Hierzu gebe ich 50ml ATS Fixierer auf 420ml Wasser. (Auch dieses Mischungsverhältnis ist je nach Hersteller unterschiedlich). Für Stoppbad und die Wässerung nehme ich normales Leitungswasser. 
Wichtig ist dafür zu sorgen, das alle Flüssigkeiten möglichst die gleichen Temperaturen haben. 

Wenn alles soweit vorbereitet ist, also :
  • 1 Messbecher mit der Entwicklerflüssigkeit
  • 2 Messbecher mit Leitungswasser als Stoppbad
  • 1 Messbecher mit der Fixierflüssigkeit
dann kann es weiter gehen.

Nun öffne ich den Einfüllstutzen der Dose und Schütte den Entwickler schnell in die Dose, verschließe sie wieder und fange sofort mit dem Kipprhythmus an. Ich kippe die Dose 2–3 Mal und stelle sie wieder ab. 
Bei dem verwendeten Finol Entwickler beträgt die Entwicklungszeit bei einem Ilford Pan F bei 20 Grad 12.30 Minuten. In diesen 12.30 Minuten wird die Dose alle 30 Sekunden zwei Mal gekippt. Jeder Hersteller von Entwickler-Chemie hat zu jedem Film seine eigenen Werte für Mischungsverhältnis, Entwicklungszeiten und Kipprhythmen. Also immer auf den Beipackzettel schauen.

Stoppbad

Nach der Entwicklungszeit schütte ich die Entwicklerflüssigkeit aus und Fülle die Dose einmal mit Leitungswasser. Dies Stoppt die Entwicklung des Filmes und löst Reste des Entwicklers aus der Dose. Diese Schütte ich dann nach ein paar Sekunden wieder aus und wiederhole den Vorgang ein zweites Mal. Deshalb 2 Messbecher mit je 470ml 20 Grad Leitungswasser .

Fixierbad

Nachdem ich das Leitungswasser aus der Dose habe laufen lasse, fülle ich sie mit dem vorbereiteten Fixierbad und verschließe sie wieder. Beim Moersch ATS Fixierer ist die Fixierzeit ca. 4 Minuten. In diesen 4 Minuten bewege ich die Dose nur wenige Male ganz leicht wie ein Weinglas.

Wässern

Nachdem ich die Dose mit dem Fixierbad entleert habe, lasse ich über einen Trichter auf dem Einfüllstutzen Leitungswasser in die Dose laufen. Dieser Vorgang dauert da. 6 Minuten. Danach kann ich den Film aus der Dose nehmen und zum trocknen Aufhängen.

(Bild: Trichter auf der Dose)

Netzmittel

Um Bessere Ergebnisse zu beim trocknen zu erhalten, lege ich den Film zuvor noch 2 Minuten in eine Netzmittel Lösung z.B. Tetenal Mirasol. Dies dient dazu, das der Film nachher besser trocknen kann und dabei weniger Flecken hinterlässt.
Dazu benutze ich einen alten Kochtopf, oder beim Kleinbildfilm ein kleines Einmachglas das mit Leitungswasser (20 Grad) gefüllt ist. Einige Tropfen des Tetenal Mirasol hinein geträufelt und fertig ist das Netzbad.

Trocknen

Am besten hängt man den Film zum trocknen in einen möglichst staubfreien Raum. Meist ist das Badezimmer. Möglichst gute Filmklammern verwenden, die am besten noch ein Zusatzgewicht für die untere Klammer haben. Den Film dann einige Stunden gut durchtrocknen lassen, damit sich die Filmoberfläche verhärten kann. Ein zu früh abgehangener Film klebt und ist wie ein Staubsauger. Nach dem Trockenen, kann man ihn dann Schneiden, Scannen und archivieren.

Wichtig zu wissen

Thema Haltbarkeit der Chemie. Je nach Entwickler Chemie können ungeöffnete Konzentrate Monate halten, manche nur Wochen und sind Entwicklerflüssigkeiten einmal angesetzt( Arbeitslösung) können auch nur Tage oder Stunden sein. Ist die Entwicklungschemie abgelaufen, kommt kein zufriedenstellendes Ergebnis mehr zu Stande. Ich habe wirklich alles Mögliche an Pulver und Flüssigkeiten in meinem Leben angesetzt und gebraucht. Leider auch sehr viel weggeschmissen, weil ich sie nicht rechtzeitig verbrauchen konnte und sie abgelaufen waren. Die Schwierigkeit liegt im zeitigen Verbrauchen der Chemie. Gerade wenn man nur noch gelegentlich analoge Filme belichtet wird die Haltbarkeit der dafür benötigten Chemie immer wichtiger. 
Dann probierte ich den Finol Entwickler von Moersch. Für jede Entwicklung werden 2x5ml Finol Konzentrat entnommen, direkt angesetzt und verarbeitet. Das Entwicklerkonzentrat, genau so wie das Fixierbad von Moersch benutze ich Jahre lang (kühl und dunkel aufbewahrt). Damit war das Haltbarkeits-Problem für mich gelöst. 

Fixierer und Netzmittel sind meist wesentlich unkritischer und länger Haltbar. Doch auch hier lohnt ein Blick auf den Beipackzettel. 

Es gibt noch viele Feinheiten der Filmentwicklung und wer sich dafür interessiert, findet bestimmt einen passenden Workshop oder einen erfahrenen Kollegen, der dabei hilft, die eigene Filmentwicklung zu verbessern. Es lohnt sich. 

Später kann man dann noch seine eigene Bio-Entwicklerchemie herstellen und damit seine Filme entwickeln. Aber ich denke für den Anfang ist die Standart Entwicklung in Finol oder Rodinal am sichersten und einfachsten.  


Es ist ein Handwerk und es wäre schön, wenn das Wissen, auch in die nächsten Generationen getragen wird.