Leica Summicron. Das Objektiv

 

Der Name »Summicron« ist in den Ohren von Leica-Fotografen ein sehr wohlklingender Begriff. Es bezeichnet Spitzen-Objektive der Brennweite mit der weitesten Blendenöffnung 2. Das heißt, sie sind sogar bei schlechten Lichtverhältnissen noch gut ohne Blitz einsetzbar und liefern dann, richtige Filmwahl und Belichtung vorausgesetzt, derart brillante Ergebnisse, dass sie vom Bildeindruck her mitunter die reale situative menschliche Wahrnehmung noch zu übertreffen scheinen.

 

 

Um die Besonderheit dieses Objektivs besser verstehen zu können, muss man ein wenig tiefer in die Herausforderungen der Objektivkonstruktion und -fertigung einsteigen.

Seit Jahrzehnten entwickelt und fertigt die Firma Leica Camera AG Objektive sowohl mit modernsten Technologien als auch mit handwerklicher Kunstfertigkeit unter dem Credo, stets bis an die Grenze des technisch Machbaren zu gelangen.

 

Das 50er Summicron ist einer der zahlreichen Beweis dafür, dass dieser selbst auferlegte Anspruch der Leica Camera AG immer wieder erreicht wird. Der Ingenieur Barnim A. Schultze, Begründer des renommierten unabhängigen B.A.S.-Testverfahrens für Objektive aller Fabrikate fasste es einmal im Zusammenhang mit dem 50er Summicron der Leica M so zusammen: »Dieses Objektiv besitzt nach wie vor weltweit den höchsten Leistungsstandard in der Klasse der lichtstarken Standard-Brennweiten. Unter den Standard-Objektiven für die ditale und analoge Kleinbildfotografie ist dieses Objektiv ein besonderes Juwel. Nicht nur die Schärfe und Brillanz, die bereits bei offener Blende und erst recht abgeblendet auf Blende 8 hervorragend sind, sondern auch die besonders hohe Korrektion optischer Restfehler sind hier zu vermerken. Es ist unter den Standardobjektiven mit ähnlicher Öffnung richtungweisend.«

 

Die Abbildungseigenschaften des R-Summicrons (R = Spiegelreflex) fallen konstruktionsbedingt (Kamera) etwas anders aus als die des M-Summicrons ( M = Messsucher-Kamera ), weisen aber ähnlich überragende Werte auf, wie das Objektiv für die Leica M.

 

Die Konstrukteure von Spitzenoptiken haben immer mit einer ganzen Reihe von Problemen zu kämpfen, die grundsätzlich bei jedem Objektivdesign auftreten und niemals zu 100% in den Griff zu bekommen sind. Um es vorwegzunehmen: Leica-Objektive genießen unter Fachleuten seit Jahrzehnten einen exorbitant guten Ruf. Sie werden von der Fachpresse gelobt und von den Anwendern geliebt. Sie erringen souveräne Testsiege und begründen ihren legendären Ruf damit stets auf’s Neue.

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Leica Summicron Story

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Bei Leica steht die erzielbare Abbildungsleistung, wie sie

vom menschlichen Auge wahrgenommen wird an erster

Stelle. Das Objektiv soll das Maximum an Leistung und ein

Minimum an Restfehlern aufweisen.

Dass Leica-Objektive auch in der Regel überragende

MTF-Werte aufweisen, sei hier nur am Rande erwähnt.

Kaum gesondert erwähnt werden muss die bei Leica

standardmäßige Verwendung hochwertigster Materialien

in der Fertigung, um ihren Produkten maximale Präzision,

legendäre Langlebigkeit und Zuverlässigkeit selbst bei

extremen Beanspruchungen zu gewährleisten.

Last but not least tragen die verwendeten Materialien zu

einer angenehmen Haptik und der fühlbaren Anmutung

von Wertigkeit bei.

Fachleute werden mit Recht anführen, dass der Aspekt der

Verzeichnung und Vignettierung hier gänzlich ausgespart

wurde. Das ist richtig, aber beim 50er Summicron spielen

diese charakteristischen Merkmale vieler Zoom- und

Weitwinkelobjektive eine absolut vernachlässigbare Rolle.

Alles in allem ist das 50er Summicron ein in jeder Hinsicht

außergewöhnliches Objektiv, welches es unseres

Erachtens auch weiterhin verdient, positiv herausgehoben

zu werden.

Leica Summicron. Geschichte eines Objektivs

Leica (damals Ernst Leitz Wetzlar) hat inzwischen eine

über 70jährige Erfahrung in der Fertigung von 

Normalbrennweiten mit der Öffnung 2.0 vorzuweisen.

Bereits 1933 präsentierte die Ernst Leitz GmbH mit dem

Summar das erste lichtstarke 2.0 / 50mm-Objektiv, das

1939 abgelöst wurde vom verbesserten 50er Summitar.

Im Jahr 1953 wurde das 50er Summicron vorgestellt, das

»Standards setzten sollte für die optische Qualität vieler

nachfolgender Jahre« (J.H.v. Hasbroeck, 1993).

In der Zwischenzeit bis heute ist viel geschehen: Immer

weitere computergestütze Verbesserungen in den

Berechnungen, neue optische Gläser, verbesserte

Linsenvergütungen, präzisere Fertigungsmöglichkeiten,

andere Fassungen usw. trugen dazu bei, dass dieses

Objektiv sich bei quasi dentischer Namensgebung

produktpflegerisch beständig weiter entwickelte und dabei

auf dem Weltmarkt bis heute stets das Nonplusultra des

Objektivbaus in seiner Brennweitenklasse darstellte.

Das wahre Ausmaß der Leistung der Leica-Konstrukteure

wird noch dadurch hervorgehoben, wenn man sich

vergegenwärtigt, dass die letzte optische Neurechnung

des 50er Summicrons auf das Jahr 1971 (M) und 1976 (R)

datiert. Danach wurden unseres Wissens nach lediglich

Änderungen in der Fassung vorgenommen. Und während

dieser mehr als 30 Jahre konnte das 50er Summicron

seine qualitative Vormachtstellung im Weltmarkt

behaupten. (Erst 2005 wurde dieser Referenz-Rang

abgelöst durch das Leica Summilux-M 1.4/50 ASPH., das

durch die Verwendung asphärischer Linsen und der

Verwendung von »floating elements« einen weiteren

Qualitätssprung ermöglichte).

Manfred Menzel, Juni 2005

 

Foto :  Heiko Menze

Fotografen schätzen ihre Geräte stets dann, wenn sie so

funktionieren, wie er/sie es erwartet. Über den hohen Anteil

darin enthaltener Physik machen sich nur die wenigsten

Gedanken.

Ohne hier allzu tief in die Materie einsteigen zu wollen,

seien hier nur einige der Herausforderungen aufgezählt,

die im Objektivbau eine Rolle spielen.

Jeder weiß, dass Objektive die Lichtbrechung lenken, damit

das Licht punktgenau gebündelt auf der Filmebene auftrifft.

Wenige wissen, dass farbiges Licht mit unterschiedlichen

Wellenlängen durch die Linsen tritt (Dispersion).

Vergleichbares geschieht, wenn Licht durch eine

gekrümmte Linse tritt. Die Strahlen, die durch das

Linsenzentrum treten, werden anders gebrochen als

diejenigen im Randbereich. Dieses physikalische

Phänomen (sphärische Aberration) führt insbesondere bei

hoch geöffneten Objektiven zu Abbildungsfehlern (Koma),

Ein Lichtpunkt (etwa eine Lichterkette) wird dann nicht

mehr, wie bei Spitzen-Optiken üblich, als konturierter

Lichtpunkt abgebildet, sondern als schmetterlingsähnlicher

Lichthof bei gleichzeitiger flauerer Wiedergabe des

Gesamtbildes. (vgl. G. Osterloh, »Leica M«)

Das Reflexionsverhalten, die Lichtdurchlässigkeit und

Reinheit von Gläsern spielt eine weitere Rolle im Hinblick

auf optimale Bildergebnisse. Die von Leica verwendeten

Gläser der Firma Schott und diejenigen aus dem eigenen

Glaslabor sind die reinsten (und teuersten) optischen

Gläser des Weltmarktes. Der Leica-Fotograf wird für seine

finanzielle Mehrausgabe mit brillanten Ergebnissen selbst

in Situationen mit schwachem Licht (available light)

belohnt. Ebenso hat

Leica bei der Qualität der Vergütungen höchste Ansprüche

hinsichtlich der Brechungsindizes und Abriebeigenschaften

angelegt. Wir wissen heute, wie wichtig die Vergütung von

Linsenoberflächen für die Streulichtanfälligkeit eines

Objektivs und für die Farbcharakteristik eines Bildes ist,

Vagabundierendes Licht im Objektivtubus ist ein weiteres

Problem, das es immer zu eliminieren gilt.

Die Materialeigenschaften müssen so aufeinander

abgestimmt sein, dass sie selbst unter extremen

Klimaschwankungen nichts an ihrem präzisen

Zusammenspiel einbüßen. Das exzellente Bokeh

(Abbildungscharakteristik im Unschärfebereich) ist eine

weitere anerkannte Domäne dieses Objektivs.

 

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